die-spielsucht.de:Infoportal zu Glücksspiel
Verlauf

Wie verläuft eine Glücksspielsucht, und was berichten Betroffene?

Ein Mann sitzt nachts allein auf der Bettkante.

Spielsucht, fachlich Glücksspielstörung (ICD-11: 6C50; deutsche Fassung bislang nur als nicht-amtliche BfArM-Testversion), in der DSM-5-Terminologie „Störung durch Glücksspielen", entsteht selten von einem Tag auf den anderen. Sie entwickelt sich über Monate und Jahre in erkennbaren Mustern. Dieser Beitrag beschreibt diesen Verlauf sachlich und ordnet ein, was Betroffene berichten, ohne einzelne Lebensgeschichten nachzuerzählen.

Wie beginnt ein problematischer Spielverlauf?

Ein problematischer Verlauf beginnt meist unauffällig. Gelegentliches Spielen wird häufiger, die Einsätze steigen. Fachlich beschreibt man das als Gewöhnung und Toleranzentwicklung: Es braucht mehr Einsatz oder mehr Risiko für denselben Reiz. Frühe Gewinne oder eine als entlastend erlebte Ablenkung verstärken das Verhalten, lange bevor Betroffene selbst von einem Problem sprechen würden.

Was bedeutet „Verlustjagd" oder Chasing?

Chasing, auf Deutsch Verlustjagd, meint das Weiterspielen, um erlittene Verluste zurückzugewinnen. Aus dem Versuch, kurz „auszugleichen", wird ein sich verstärkender Kreislauf: Jeder Verlust erhöht den Druck weiterzuspielen, jeder Einsatz vergrößert die Verluste. Die Verlustjagd gilt als zentrales Merkmal einer Glücksspielstörung und ist in den DSM-5-Kriterien eigens aufgeführt.

Warum verläuft die Entwicklung oft in Phasen?

Viele Verläufe lassen sich in Phasen beschreiben. Ein häufig zitiertes beschreibendes Modell stammt von Robert Custer (1984). Es ist ein Erklärungsmuster, keine Diagnose: Nicht alle Betroffenen durchlaufen alle Phasen, und die Übergänge sind fließend. Die folgende Übersicht zeigt die typische Richtung der Entwicklung.

Phasen eines problematischen Spielverlaufs: beschreibendes Modell nach Custer (1984)
PhaseWas sie kennzeichnet
GewinnphaseGelegentliches Spielen, erste Gewinne, wachsende Zuversicht. Das Spielen wird zunehmend positiv besetzt.
VerlustphaseHöhere Einsätze, erste Verluste, beginnende Verlustjagd. Spielzeiten und Beträge werden verheimlicht, erste Schulden entstehen.
VerzweiflungsphaseKontrollverlust, Rückzug, wachsende finanzielle und seelische Belastung bis hin zu Ausweglosigkeit.

Warum ist erst das Muster aussagekräftig, nicht der einzelne Abend?

Ein einzelner verlorener Abend sagt wenig aus: Auch Menschen ohne Störung verlieren gelegentlich mehr als geplant. Aussagekräftig wird erst das wiederkehrende Muster: das erneute Anfangen trotz Vorsätzen, das Nachjagen von Verlusten, das Verheimlichen, das Vernachlässigen anderer Bereiche. Die diagnostischen Kriterien setzen deshalb an dieser Wiederholung an, nicht am Einzelfall.

Was berichten Betroffene über Scham und Kontrollverlust?

Als redaktionelle Einordnung, nicht als Einzelgeschichte: In Beratung und Selbsthilfe berichten Betroffene häufig von starker Scham, dem Gefühl des Kontrollverlusts trotz ehrlicher Vorsätze und vom langen Verheimlichen gegenüber Familie und Freunden. Viele beschreiben zugleich eine spürbare Erleichterung, sobald sie das erste Mal offen darüber gesprochen haben.

Diese Belastung ist real und häufig, und sie kann bis zu Ausweglosigkeit und Suizidgedanken reichen. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, müssen Sie damit nicht allein bleiben.

Warum veröffentlicht dieses Portal keine erfundenen Erfahrungsberichte?

Wir veröffentlichen keine einzelnen Erfahrungsberichte, weil ein erfundener Bericht fingierte Betroffenheit wäre; in dieser Nische ist das ein Vertrauensbruch. Die Domain wurde von 2003 bis 2012 als privates Betroffenenforum betrieben; diese Geschichte gehört einer realen Person und wird hier nicht fortgeschrieben. Echte Erfahrungen finden Sie deshalb bei realen Austauschangeboten, nicht in nachgestellten Texten.

Wo finden Sie echten Austausch und eine Einschätzung?

Wenn Sie Erfahrungen anderer suchen, führt der verlässliche Weg zu moderierten Selbsthilfe- und Austauschangeboten. Möchten Sie Ihr eigenes Spielverhalten einordnen, hilft ein anonymer Selbsttest weiter. Und für ein persönliches, kostenfreies Gespräch gibt es Beratungsstellen in Ihrer Nähe. Die folgenden drei Wege bündeln diese Angebote.

Quellen

  1. Glücksspiel-Survey 2025, ISD Hamburg / Universität Bremen (Erhebung Aug.-Nov. 2025, n = 12.340): 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen erfüllen die DSM-5-Kriterien einer Glücksspielstörung. Die absolute Hochrechnung auf rund 1,3 Millionen Erwachsene stammt vom Datenportal des Bundesdrogenbeauftragten.
  2. DSM-5 (Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen): Kriterien der „Störung durch Glücksspielen", darunter das Nachjagen von Verlusten (Chasing).
  3. ICD-11 der WHO: Glücksspielstörung, Code 6C50 (deutsche Fassung bislang nur als nicht-amtliche BfArM-Testversion).
  4. Custer, R. L. (1984): Profile of the pathological gambler (beschreibendes Phasenmodell).